US-Historiker Browning kritisiert Kommissionsurteil zur Rolle des Auswärtigen Amtes zur NS-Zeit

Mittwoch, 27. Oktober 2010, 13:09

Berlin (dts) – Der amerikanische Historiker Christopher R. Browning hat das Urteil der Unabhängigen Historikerkommission über das Auswärtige Amt (AA) in der Zeit des Nationalsozialismus kritisiert. Browning sagte gegenüber dem „Tagesspiegel“ (Donnerstagausgabe): „Das Auswärtige Amt verhielt sich komplizenhaft, war aber sicherlich nicht in gleichem Maße wie die SS an der Endlösung beteiligt.“ Browning hatte 1978 die erste historische Untersuchung über die Beteiligung des AA am Judenmord veröffentlicht, deren deutsche Übersetzung aber erst in diesem Jahr erschien. Es sei Historikern seit vielen Jahren bekannt gewesen, dass das Auswärtige Amt in die Umsetzung der „Endlösung“ tief verstrickt gewesen sei, sagte der Holocaust-Forscher. Er bezweifle aber, dass „irgendwelche neuen grundlegenden Entdeckungen gemacht wurden, auch wenn einige neue Details ans Tageslicht gekommen sein mögen“. Statt dessen werde nun einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, was Experten schon lange gewusst hätten, sagte Browning.

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