Affäre um Hauskredit: Wulff nun erst recht in Erklärungsnot

Freitag, 16. Dezember 2011, 18:37

Grünen gehen auf Distanz zum Staatsoberhaupt

Berlin – Bundespräsident Christian Wulff gerät in der Hauskredit-Affäre in immer größere Erklärungsnot: Neue Aussagen des Wulff-Freundes und Ex-Unternehmers Egon Geerkens lassen den Schluss zu, dass das Geld für das Darlehen des Politikers de facto von ihm kam. Bundespräsident Christian Wulff bleibt jedoch bei seiner Darstellung zum umstrittenen Privatkredit und hat über seine Anwälte eine entsprechende Erklärung abgeben lassen. Derweilen gehen die Grünen auf Distanz zum Staatsoberhaupt. “Wenn die Darstellung von Herrn Geerkens stimmt, dann hat Herr Wulff im Landtag von Hannover nicht einmal formal die Wahrheit gesagt”, erklärte der Rechtsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Jerzy Montag, dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Samstag-Ausgabe).

Wulff hatte bislang gesagt, Kreditgeberin sei Geerkens’ Ehefrau gewesen. Deshalb habe er den Landtag von Niedersachsen korrekt darüber informiert, dass keine Geschäftsbeziehung mit Geerkens bestehe. Der 67-jährige Geerkens sagte dem “Spiegel”, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff über den Kredit geführt. Bundespräsident Christian Wulff hingegen bleibt bei seiner Darstellung zum umstrittenen Privatkredit und hat über seine Anwälte eine entsprechende Erklärung abgeben lassen. Er habe sich auch überlegt, “wie das Geschäft abgewickelt werden könnte”. Außerdem beruhe die freundschaftliche Verbindung in erster Linie auf dem Verhältnis zwischen Wulff und ihm. die Zahlung des Darlehens sei zwar über ein Konto seiner Frau erfolgt, für dieses Konto habe er allerdings eine Vollmacht. Die Rückzahlung der Darlehenssumme im Jahre 2010 sei auf ein Konto erfolgt, das ihnen beiden gehöre.

Bundespräsident Christian hat inzwischen zum umstrittenen Privatkredit über seine Anwälte eine entsprechende Erklärung abgeben lassen. “Die Sparkasse Osnabrück hat bestätigt, dass der Scheck der Deutschen Bundesbank, der dem beurkundenden Notar zur Verfügung gestellt wurde, aus dem Konto von Frau Geerkens gedeckt wurde”, hieß es in der Erklärung. Dazu liege der Anwaltskanzlei eine Bestätigung der Sparkasse Osnabrück vor. Der Vertrag über das Privatdarlehen sei demnach mit Frau Edith Geerkens geschlossen worden. “Die Eheleute Wulff leisteten alle vereinbarten Zinszahlungen auf das Konto von Frau Geerkens. Die Rückzahlung der Darlehenssumme erfolgte ein gutes Jahr später unmittelbar durch das die den Hauskauf anschließend finanzierende BW-Bank auf das Konto von Frau Geerkens. Herr Wulff hat zu keinem Zeitpunkt Anlass daran zu zweifeln, dass die Darlehenssumme – wie bei der Vereinbarung des Darlehens beschrieben – aus dem Vermögen von Frau Geerkens stammt”, hieß es in der Erklärung der Anwälte. Zuvor hatte der “Spiegel” unter Berufung auf Geerkens berichtet, die 500.000 Euro stammten entgegen Wulffs bisheriger Darstellung möglicherweise doch von dem Unternehmer selbst.

Nach neuen Enthüllungen über die Kredit-Affäre von Bundespräsident Christian Wulff aus seiner Zeit als Ministerpräsident in Niedersachsen, gehen die Grünen auf Distanz zum Staatsoberhaupt. “Wenn die Darstellung von Herrn Geerkens stimmt, dann hat Herr Wulff im Landtag von Hannover nicht einmal formal die Wahrheit gesagt”, erklärte der Rechtsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Jerzy Montag, dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Samstag-Ausgabe). “Das hört sich an, als habe man eine bewusste Umgehung geplant. Einen solchen Sachverhalt deckt die Erklärung des Bedauerns von Christian Wulff nicht ab.” Montag: “Das ist für einen Bundespräsidenten verheerend”. Der niedersächsische Unternehmer Egon Geerkens hatte dem “Spiegel” gesagt, er habe die Kreditverhandlungen mit Wulff geführt und überlegt, wie man das Geschäft abwickele. Wulff hatte erklärt, er habe keine Geschäftsbeziehungen mit Geerkens, sondern das Darlehen von dessen Frau erhalten.

(dts, pr-sozial)